Am 17. September 2025 verstarb unser langjähriger Regionalpressewart Jürgen Holz im Alter von 81 Jahren. 25 Jahre übte Jürgen das Ehrenamt als Pressewart unseres Regionalspielausschusses mit großer Umsicht, viel Engagement und ebenso vielen innovativen Ideen aus.
Der Volleyball bestimmte mehr als sein halbes Leben. Wir können auf 50 Jahre (!) Ehrenamt zurückblicken, in denen er sich in vielfältiger Form für den Volleyball engagierte. Angefangen, so erzählte er, habe alles bei der Sporttageszeitung „Deutsches Sportecho“ 1969 mit dem ersten und bis heute einzigen Weltpokalsieg im deutschen Volleyball durch die DDR-Männer, von dem er berichtete. Er erlebte den einzigen Weltmeistertriumph der DDR-Volleyballer 1970 und berichtete von den beiden einzigen EM-Titelgewinnen durch die DDR-Frauen 1983 in Rostock und 1987 im belgischen Gent. „Besonders in Erinnerung ist mir die EM-Sensation von 1983 in Rostock, als die DDR-Frauen in einem denkwürdigen Finale den haushohen Favoriten, den Olympiasieger und zehnfachen Europameister UdSSR mit 3:2 besiegten – und das nach einem 0:2-Satzrückstand und einem 3:10-Rückstand im Entscheidungssatz. Damals wurde bekanntlich noch bis 15 Punkte pro Satz gespielt. Doch über das 11:11 und 13:13 gelang mit 16:14 der kaum für möglich gehaltene Triumph. Eine Sternstunde“, so erzählte Jürgen rückblickend.
Seine außergewöhnliche Karriere startete er 1967 mit einem Volontariat beim »Deutschen Sportecho« in Berlin. Zuvor hatte er Schriftsetzer gelernt und sich zum Korrektor weiterqualifiziert. Akkuratesse, Sortiertheit, Genauigkeit – Zeit seines Berufslebens sollten ihn diese Eigenschaften prägen, neben seinem beinahe enzyklopädischen Sportwissen und seiner frechen Fröhlichkeit, die ihm bei Sportlern und Kollegen gleichermaßen Beliebtheit verschaffte.
Nach dem Volontariat beim »Sportecho« stieg der ehrgeizige Jungreporter umgehend zum stellvertretenden Abteilungsleiter auf. Schnell wurde man bei »Neues Deutschland« auf ihn aufmerksam: Kurz nachdem er 1973 ein Journalistik-Fernstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig begonnen hatte, wechselte er als 30-Jähriger zum Zentralorgan – der Ritterschlag für einen Sportjournalisten im sozialistischen Teil Deutschlands. Besser ging es nicht.
Während er abends für die Universität büffelte, machte er sich tagsüber einen Namen als Fachmann für Rudern und Ringen, später auch für Leichtathletik, Volleyball, Biathlon, Eishockey und Boxen. Er fuhr zu Titelkämpfen rund um den Globus. Die engen Grenzen, die die DDR ihren Bürgern setzte, konnte er in den Interflug-Maschinen mit Leichtigkeit überwinden – Seit an Seit mit den »Diplomaten im Trainingsanzug«. Ein Märchen war wahr geworden für einen Berliner Jungen aus einfachen Verhältnissen: die Mutter Verkäuferin, der Vater Tischler. 1978 schloss er sein Studium ab und reiste 1980 als Diplom-Journalist zu den Olympischen Sommerspielen in Moskau. Eine einzigartige Erfahrung im nd-Team mit sechs schreibenden Kollegen und zwei Fotografen.
Die Spiele von Los Angeles 1984 verpasste er wegen des Boykotts der Ostblockstaaten. Eine Enttäuschung, die aufgewogen wurde durch drei weitere Spiele, die er als nd-Reporter begleiten durfte: In Seoul erlebte er 1988 den Olympiasieg des Mittelgewichtsboxers Henry Maske, in Albertville 1992 Gunda Niemanns Eisschnelllauf-Gold. Bei den Sommerspielen von Athen 2004 beschrieb er die Medaillengewinne der Kanutin Birgit Fischer, die er bereits bei ihrem ersten Olympiasieg 1980 begleitet hatte. Ein Kreis schloss sich.
In den zurückliegenden fünf Jahrzehnten übte Jürgen Holz viele Ehrenämter im Volleyball aus. Er war als Pressewart langjähriges Mitglied des Präsidiums des DDR-Verbandes DSVB und gab die monatliche Verbandszeitschrift „Volleyball“ heraus, die nach der Wende mit der „deutschen volleyball-zeitschrift“ („dvz“, heute „Volleyball-Magazin“) sozusagen eine Ehe einging. Bis 2003 kümmerte er sich hier um den achtseitigen Regionalteil für Berlin und die neuen Bundesländer. Als der eingestellt wurde, fand sich fortan noch die nordostdeutsche Regionalliga auf den online-Seiten der „dvz“ wieder.
In der Wendezeit gehörte Jürgen Holz auch der speziellen Arbeitsgruppe für die Vereinigung von DSVB und DVV an und war danach als Mitglied des Präsidiums des Volleyball-Verbandes Berlin langjähriger Pressewart des VVB. Es war schließlich unser damaliger RSA-Vorsitzender Günter Hoffmann, der 1994 Jürgen als Regionalpressewart Nordost gewinnen konnte. Als Jürgen 2019 dieses Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegte, wurde er zum Ehrenmitglied des Regionalspielausschusses ernannt.
Ende vergangener Woche teilte seine Familie mit, dass Jürgen nach kurzer, schwerer Krankheit in Brandenburg verstorben ist. Ein aufregendes Leben ist zu Ende gegangen. Wir trauern mit seiner Frau, seiner Tochter und den Enkelkindern – um unseren Kollegen und Freund.
Mach’s gut, Jürgen, es war uns eine Ehre!
Mit Jürgen verlieren wir einen liebgewordenen Freund und wertvolles Mitglied unserer Volleyballfamilie. Wir verneigen uns in Respekt vor seiner Leistung und werden unseren Jürgen für immer in Erinnerung behalten.
Uwe Näthler „Neues Deutschland“
Regionalspielausschuss Sportredaktion
Ehrenvorsitzender
